„Heißluftballon“ – Single Release am 21.02.2020

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Das Bild des voralpenländischen Bergpanoramas, wo umringt von schneebedeckten Gletschereis-Bonbons und rasiermesserscharfen Gipfelkämmen eine kleine in sich gekehrte Utopie-Insel ruhig und einsam in der frierenden Kälte steht, möchte man sich nur zugern unter einem Song mit diesem Titel vorstellen. Klischee – sicher. Nicht ganz so kitschig beschreiben whoiswelanski ihre Ballonfahrt, während der sie auf einem Meer aus Stimmen durch den stechenden Kerosingeruch, aber in sicherer Entfernung über Städte hinweg emporsteigen, um als überirdische Beobachter die verschwommenen Satzfragmente aus der Tiefe wahrzunehmen. Der gesellschaftskritische Text möchte uns davon erzählen, wie die Umgebung in Tradition, Familie, Freundeskreis und anderen Werte-Enklaven unterschiedlicher nicht sein kann – für manchen jedenfalls. So oder so ähnlich flüchtet man sich gerne aus der einen in eine andere, vielleicht besser temperierte Badewanne, um dem eigenen Konflikt zwischen Hingabe zur „Normalität“ und Selbstverrat leichtfertig zu entfliehen. Dieser Konflikt führt zu Scham. Das Resultat: wir spalten uns auf und werden auf unterschiedliche Art und Weise erlebt.

Whoiswelanski geben allerdings keine Antwort auf die Frage, warum sie der Gesellschaft gegenüber kritisch sind. Der Fokus liegt auf der Erfahrung, allgemeingültige Verhaltensweisen vernünftig durchdacht abzulehnen, sich selbigen jedoch wie von magischer Hand geführt zeitweise hinzugeben. Immer noch geführt, jedoch nun von menschlichen Stimmen, die so leise sind, „dass man sich kaum traut zu sagen, man höre sie, dass man sich nicht traut zu sagen, man verstehe sie, dass man es niemals wagt zu sagen, man kenne sie“, wird im Refrain einerseits die beschriebene Schizophrenie, andererseits die Intensivierung des Prozesses im Selbstkonflikt erklärt: kaum – nicht – niemals. Zusammengeführt also eine sirenenartige Anziehungskraft, kaum hörbar, unverständlich und als unbekannt verleugnet, die – sich unserer Schwäche bewusst – fast unausweichliche, für uns bestimmte Fallen stellt.

Bedrohlich aber gefasst schweben whoiswelanski durch die Strophen und vermitteln dort ein Gefühl der Sicherheit. Aus dem „Käfig über dem Boden“ begleitet von widersprüchlichen Freiheitsgefühlen wird die Ballonfahrt skizziert. Selbstsicher vergisst man an diesem Ort den gewaltsamen Lärm, der wellenartig über den Boden
prescht und erfolglos nach den zwei Insassen im Ballon zu greifen versucht. Aus der
Ferne, ist es leichter zu urteilen…

Die verschiedenen, sich innerhalb des Songs abwechselnden Stimmen (das Duo tritt hier auch mit beiden Männerstimmen an) geben dem gesamtheitlich betrachtet eher kühlerem Gedankenkonstrukt die Interpretationsmöglichkeit als Konversation, welche durch instrumental sektionell ausgeführte Ekstase untermalt wird.

Im Video hält whoiswelanski den Spiegel. Diesmal stellen sich die beiden selbst als im Halbdunkel versteckte Gesichter, die im blau-roten Katastrophenalarm zwischen teilnahmsloser Silhouette und bedrohlichem Kampfgeist wechseln, vor. Gefasstheit und Anklage ist in ihren Erscheinungen zu sehen, wobei sich auch Elemente der Einsicht und Verwundbarkeit durch in Nuancen veränderter Mimik nicht gänzlich verstecken lassen.

Heißluftballon von whoiswelanski. Eine kritische Momentaufnahme mit Flucht aus der Gesellschaft als temporäre Lösung, begleitet von Scham und sowohl verführerischer als auch erdrückender Stimmen-Flut und dem daraus resultierenden Selbstkonflikt zwischen der eigenen Verherrlichung und der Selbstanklage. 

Ferdinand Walter